Die Würde des Menschen am Ende seines Lebens



Die meisten Menschen leben in dem fatalen Irrtum, dass sie eigentlich quasi unsterblich sind. Vielleicht ist diese Verdrängungsleistung, dieser Irrtum einfach erfahrungsbedingt. Denn jeder Mensch erlebt ja: sterben müssen immer nur die anderen. Da kann sich so ein "kleiner" Irrtum schon mal einschleichen.

Wie sterben Menschen?
Welches Sterben wird Menschen gerecht?
Gibt es gute Bedingungen, eine gute Form des Sterbens?

Sterben ist zum öffentlichen Thema geworden. Menschen sterben in unmittelbarer Nähe, Menschen sterben weit entfernt, Menschen sterben jeden Tag.
Vom Sterben in der vertrauten Umgebung ist die Rede, aber auch von Intensivstationen und von den vielen medizinischen Möglichkeiten, Menschen das Leben zu erhalten oder aber das Sterben zu erleichtern.

Andererseits: Ist Sterben tatsächlich ein Thema?
Scheint nicht das eigene Sterben weit weg?
Welche Bedeutung hat das Sterben - mitten im Leben?

"Alles hat seine Zeit" - sagt die biblische Weisheit. So hat auch das Sterben seine Zeit. Niemand kann es vorher wissen oder vorwegnehmen. "Unsere Tage zu zählen lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz." Diese Bitte eines biblischen Psalms (90,12) erinnert jedoch daran, dass das Sterben unabdingbar zum Menschsein gehört. Das Sterben nicht wegzuschieben, bringt Weisheit für das Leben.

Diese Weisheit, die uns Menschen auszeichnet, ist die Einsicht, dass unserem Leben eine Grenze gesetzt ist, die zu uns gehört. Die öffentliche Diskussion über das Sterben ist notwendig und muss weiter geführt werden. Wie gelingt es, Menschen im Sterben zu helfen? Was kann von der Medizin, der mitmenschlichen Zuwendung und Pflege, der seelsorglichen Begleitung, aber auch von den rechtlichen Regelungen erwartet werden? Was heißt es, würdevoll zu sterben?

Es geht auch um die Frage nach der je eigenen menschlichen Lebensform.
Können Leiden, Krankheit und Sterben zu einem Leben passen, das vor allem angenehm und schön sein soll? Wenn ausschließlich das Schöne, die Vitalität und die Leichtigkeit zählen, verengt sich der Blick für das, was Menschsein darüber hinaus ausmacht.
Was bedeuten Krankheit und Sterben für uns Menschen? Darüber gilt es nachzudenken, für sich selbst, aber auch gemeinsam mit anderen und auf gesellschaftlicher Ebene.

Was Sterben bedeutet, wird sich nicht für jeden gleich und für alle Zeiten festschreiben lassen, aber es kommt darauf an, darüber nachzudenken und zu erfahren, was andere Menschen in ihrem Nachdenken geleitet und bestimmt hat.

Sterben lässt sich letztlich nicht durch Gedanken und Vorstellungen bewältigen. Niemand muss sich dies vornehmen. Aber es wird gut sein, sich ins Nachdenken einzuüben, das Gespräch zu suchen, das Sterben nicht zu verdrängen.

Ich finde es gut, dass die beiden großen Kirchen gemeinsam dieses Thema in der diesjährigen "Woche für das Leben" aufgreifen. Informationen über die "Woche für das Leben" gibt es hier: http://dbk.de/woche/2004/index.html

Ich selbst habe beruflich mit dem Thema zu tun, siehe z.B.: http://www.kontaktstelle.de.tf (2004)






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